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author Jens-Uwe Grooss <j.-u.grooss@fz-juelich.de>
Mon, 23 Mar 2020 13:49:29 +0100
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     1 Ozonverluste im Frühjahr über Europa
     2 ====================================
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     5 Hier wird der chemisch bedingte Ozonverlust im Nordwinter sowie
     6 dessen Auswirkungen auf mittlere Breiten in Europa beschrieben.
     7 Im Winter 2010/2011 wurde zum Beispiel eine sehr hohe Ozonzerstörung im Bereich
     8 des Arktischen Polarwirbels beobachtet. Im Rahmen
     9 der `Wissensplattform "Erde und Umwelt" (ESKP)`_ werden die Auswirkungen
    10 dieser Ozonverluste auf mittlere Breiten  erklärt und
    11 tagesaktuell dokumentiert.
    12 So wird ein Frühwarnsystem  für solche Ereignisse etabliert.
    13 Grundlage sind Simulationen mit dem Jülicher Chemie-Transportmodell
    14 `CLaMS`_, welches über innovative Transport- und Mischungsalgorithmen zur
    15 Berechnung des Austauschs von Luftmassen zwischen polaren und mittleren
    16 Breiten (z. B. Einmischung ozonarmer Luft über Europa) verfügt. Die
    17 realitätsnahen Simulationen werden durch Satellitenbeobachtungen
    18 initialisiert und meteorologische Analysen des ECMWF angetrieben.
    19 
    20 Der Ozonabbau im Polarwirbel wird von der Temperatur bestimmt.
    21 Für polaren Ozonabbau muss eine Schwelltemperatur von etwa -78°C
    22 unterschritten werden. Für die arktischen Winter der einzelnen Jahre
    23 2010-2020 sind auf weiteren Seiten `Berechnungen des Ozonverlusts`_
    24 und `Abschätzungen aus der Temperatur`_ dargestellt.  Zur Erläuterung
    25 und Einschätzung der Resultate wird auch gezeigt, wie sich der
    26 `UV-Anstieg`_ am Boden im Verlauf des Frühjahres entwickeln würde im
    27 Falle verschiedener Ozonverluste.  Berechneter Ozonverlust und
    28 Ozonsäule sowie der daraus berechnete maximale UV-Index (zur
    29 Mittagszeit bei wolkenfreiem Himmel) werden als `Kartendarstellung`_
    30 für die einzelnen Tage gezeigt.
    31 
    32 In der Regel sind die Ozonsäulen in der Arktis trotz Ozonabbau noch
    33 deutlich höher als in der Antarktis, so dass im arktischen Frühjahr
    34 bislang sich maximal eine mäßige UV-Einstrahlung zeigt.
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    36 Aktuell
    37 --------
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    39 Die Berechnungen **für den aktuellen Winter 2019/2020** zeigen bisher einen
    40 überdurchschnittlichen Ozonabbau.  Seit Ende Januar sind die statosphärischen
    41 Temperaturen  sehr niedrig und der Polarwirbel ist stabil. Ende Februar
    42 erreichte der mittlere Ozonverlust etwa 70 DU, der zweithöchste
    43 Wert im letzten Jahrzehnt nach 2016. Am 10. März erreichte der berechnete
    44 mittlere Ozonverlust 95 DU, was dem Maximalwert des Jahres 2011 entspricht, der
    45 aber erst Ende März erreicht wurde.  Am 14. März wurde der Wert von 110 DU überschritten
    46 **somit ist der Ozonverlust in diesem Jahr der höchste von den hier betrachteten Jahren**.
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    48 
    49 Frühere Jahre
    50 --------------
    51 Im letzten Winter 2018/2019 waren die stratosphärischen Temperaturen für
    52 einen signifikanten Chlor-katalysierten Ozonabbau zu hoch.
    53 Ein sogenanntes "Major Warming" Anfang Januar führte neben der Erwärmung
    54 der Stratosphäre zur Abspaltung eines Teils des Polarwirbels.
    55 
    56 In den vergangenen Jahren waren besonders die Winter 2010/2011 und 2015/2016
    57 geprägt von einem kalten, stabilen Polarwirbel, was mit einem deutlichen
    58 Ozonabbau einherging.  Dies führte zu mit einer leichten Erhöhung der
    59 UV-Einstrahlung, die jedoch in unseren Breiten im März normalerweise gering
    60 ist. Extrem hohe UV-Werte wie im Antarktischen Frühling  unter dem Ozonloch
    61 traten bisher in der Arktis nicht auf.
    62 
    63 Winter 2015/2016:
    64 -----------------
    65 
    66 Die stratosphärischen Temperaturen im Winter 2015/2016 waren so
    67 niedrig wie in den letzten Jahrzehnten noch nie beobachtet mit der
    68 Folge eines sehr hohen Ozonverlustes von über 100 DU. 
    69 Aus den niedrigeren Ozonsäulen resultierte eine leichte Erhöhung des
    70 UV-Strahlung am Boden. Allerdings ist die UV-Einstrahlung in diesen
    71 Breiten und zu dieser Jahreszeit gering.  Dort, wohin die Luftmassen
    72 des Polarwirbel verschoben wurden, bedeutet das einen UV-Index Anfang
    73 März, wie man ihn normalerweise erst Ende März erwarten würde. Extrem
    74 hohe UV-Werte wie im Antarktischen Frühling unter dem Ozonloch traten
    75 in der Arktis jedoch nicht auf.
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    78 Winter 2010/2011: 
    79 -----------------
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    81 Die unten stehenden Bilder zeigen als Beispiel die geographische
    82 Verteilung des berechneten Ozons (oben) und Ozonverlustes (unten) für
    83 den 28. März 2011. Gezeigt ist jeweils die Gesamtsäule zwischen 12 und
    84 22 km Höhe in Dobson-Einheiten (DU).
    85 
    86 .. _Berechnungen des Ozonverlusts: /ozoneloss/clams/2020
    87 .. _Abschätzungen aus der Temperatur: /ozoneloss/vpsc/2020
    88 .. _UV-Anstieg: /ozoneloss/uvi
    89 .. _Kartendarstellung: /ozoneloss/uvmap/200119
    90 .. _Wissensplattform "Erde und Umwelt" (ESKP): /eskp
    91 .. _CLaMS: http://en.wikipedia.org/wiki/CLaMS
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